Boizenburg/Rostock
Rätselhafter Cold-Case: Wer ist der Mörder von Martin Drewes?
Im Mordfall Martin Drewes veröffentlichte die Polizei bundesweit Fahndungsaufrufe. Bislang erhielt die Ermittler rund 50 Hinweise. Drei davon stufen sie als „kritisch“ ein.
Der Gang in die ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ hat sich für die Ermittler offenbar ausgezahlt. Auch mehrere Tage nach Ausstrahlung des TV-Beitrages über den rätselhaften Mord an Martin Drewes 1997 in Boizenburg sind bei der Spezial-Ermittlungsgruppe für ungeklärte Tötungsdelikte noch neue Hinweise zu dem Fall eingegangen, wie die Sprecherin des Rostocker Polizeipräsidiums Katja Marschall mitteilte. „Bislang haben wir 50 Hinweise erhalten“, sagte die Regierungsamtsrätin.
Die Mitglieder der Einheit sind laut Polizeisprecherin „gut damit beschäftigt, die Angaben Anrufer auszuwerten.“ Drei Hinweise würden die Ermittler als „kritisch einstufen und intensiv nachgehen.“
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Deutschlandweit Fahndungsaufrufe an Flughäfen und Bahnhöfen
Nach der ZDF-Sendung am 14. Juli hatte die Polizei zudem mit einem nicht alltäglichen Aufruf bundesweit weitere Zeugen gesucht. An Bahnhöfen, Flughäfen und Verkehrsknotenpunkten war über digitale Werbe- und Informationstafeln auf den fast 24 Jahre zurückliegenden Mordfall aufmerksam gemacht worden. Die 4100 digitalen Fahndungsplakate seien für 48 Stunden eingeblendet worden, erklärte die Polizeisprecherin. Unter anderem auch in München. In Schwerin erschien das Foto des getöteten Jungen und die Bitte der Polizei um Mithilfe beispielsweise auf einer großen Reklametafel an einer Ampelkreuzung an der viel befahrenen B324.
In den Polizeidienststellen von Mecklenburg-Vorpommern sind nach Angaben der Sprecherin aktuell noch rund 400 „klassische Fahndungsplakate“ ausgehängt.
Darauf ist neben einem Bild des ermordeten Schülers, ein linker Sportschuh der Marke Nike und eine Kette mit einem Hanfblatt-Anhänger abgebildet.
„Können Sie Angaben zum Fundort und eventuellen Personen- und Fahrzeugbewegungen machen?“, lautet eine Frage auf dem Plakat. Die Kette war damals bei der Leiche des Jungen gefunden worden. Er trug nur noch am linken Fuß einen Schuh. Der rechte Schuh ist bis heute verschwunden.
Zuletzt wurde Martin von einem Bekannten gesehen
Martin Drewes war im Herbst 1997 einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Der 14 Jahre alte Junge hatte am 17. Oktober zunächst eine Jugenddiscothek in Boizenburg besucht, in der er regelmäßig aushalf. Sein Zuhause lag nur etwa 100 Meter entfernt. Nach den bisherigen Ermittlungen war der Junge gegen 22 Uhr mit einem Bekannten ein Stück in eine andere Richtung und dann alleine zu einer noch unbekannten Adresse gegangen. Am nächsten Tag wurde er als vermisst gemeldet. Zwei Wochen später fanden Teilnehmer einer größeren Jagd den toten Jungen in einem Wald etwa zehn Kilometer von Boizenburg entfernt.
Spezial-Ermittler sind seit zwei Jahren an dem Fall dran
Die Ermittlungsgruppe für ungeklärte Mordfälle aus Rostock, eine sogenannte „Cold Case Unit“ (CCU), geht dem Fall bereits seit zwei Jahren nach. Neue kriminaltechnische Untersuchungsmöglichkeiten, Veränderungen in der Aussagebereitschaft von Zeugen oder Mitwissern sowie neue wissenschaftliche und polizeitaktische Erkenntnisse könnten auch auch nach Jahren zur Aufklärung solcher „kalten Fälle“ führen, heißt es dazu von der Polizei.
Seine Freunde wissen vielleicht gar nicht, dass noch noch ermittelt wird
Im Mordfall Drewes setzen die Beamten insbesondere auf Hinweise von ehemaligen Weggefährten und Freunden. Viele von ihnen leben mittlerweile nicht mehr in Boizenburg. „Und wissen vielleicht gar nicht, dass wir in der Sache noch ermitteln“, hatte CCU-Chef Olaf Kopischke in der ZDF-Sendung die bundesweiten Aufrufe begründet. Genauere Angaben zu den „kritischen Hinweisen“ machte die Rostocker Polizeisprecherin aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht.