Demokratie früh erlernen

In Emden planen Kinder ihren Spielplatz selbst

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 19.07.2021 20:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Bei einem Projekt der Berufsbildenden Schulen I und der Grundschule am Wall in Emden haben Kinder der vierten Klasse fleißig geplant. Sie dürfen bei einem neuen Spielplatz mitbestimmen.

Emden - Die Mädchen und Jungen haben ihre Köpfe zusammen gesteckt. Denn: Es geht um viel. Sie dürfen den geplanten neuen Spielplatz am Burgplatz in Emden mitgestalten. Die Kinder, die die vierte Klasse der Grundschule am Wall besuchen, haben unter Anleitung miteinander diskutiert und beraten, was sie sich wünschen. Aber auch, wie sie kleinere Kinder und sogar die Eltern und Großeltern einbinden können, erklärt Konstantin Klemd. Er ist einer der zwei Projektleitenden der Berufsbildenden Schulen I - und begeistert von dem „gesamtgesellschaftlichen Denken“ der Gruppe. „Wir hatten in der Entwicklung nicht einen Finger drin“, betont er. Er und seine Kollegin hätten den Kindern nur zu Beginn der AG-Nachmittage gesagt, dass die Ideen umsetzbar sein müssten.

In dem finalen Entwurf, den die Kinder entwickelt und am vergangenen Freitag auch der Verwaltung vorgestellt hatten, sei an Sandkästen für die Kleinkinder sowie Bänke für die Erwachsenen gedacht worden. Angelehnt an den Burgplatz hätten sie sich nach einem Besuch der Rüstkammer im Ostfriesischen Landesmuseum Emden (OLME) Gedanken über Burg-Gestaltungen aber auch Schiffswracks gemacht. Damit dürften sie den Nerv der Zeit treffen: Auf dem Spielplatz am Stephansplatz (beim Café Einstein) kommen die bekletterbaren Schiffe bereits seit Jahren gut an.

Kruithoff: „Wir wollen möglichst viel umsetzen“

Das Hauptziel des Projekt sei es, den Kindern schon früh die Teilhabe an demokratischen Prozessen näher zu bringen. Die Mädchen und Jungen sollten das Gefühl haben: „Ich habe eine Stimme, meine Meinung zählt genauso“, betont der angehende Sozialpädagoge. Das Ergebnis ihrer Arbeit später am Burgplatz zu sehen und darauf spielen zu dürfen, sei eine gute Bestätigung. „Einen konkreten Termin gibt es noch nicht“, so Klemd. Aber: „Wir wollen möglichst viel umsetzen“, betonte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) in der konstituierenden Sitzung des Jugendparlaments am Montag, als er dort das Thema ansprach. „Die Kinder sollen sich wiederfinden können.“ Es seien tolle Ideen entwickelt worden, auf die er selbst nie gekommen wäre, meint er. Den neuen Bewegungsparcours am Wall hatten die Kinder nicht mitgestalten dürfen, erklärt Klemd. „Die Planung war leider schon zu weit.“ Im Gegenzug sei eben das Projekt Burgplatz vorgeschlagen worden.

Damit mehr Kinder tatsächlich auch die Spiel- und Sportplätze nutzen, rät Klemd, „mit gutem Beispiel voranzugehen“. Familiennachmittage auf dem Spiel- oder Bolzplatz würden die Kinder dazu animieren, sich körperlich mehr zu betätigen. Das Fernsehen, Smartphones und Computerspiele gehörten zur Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. Die Verlockung der bequemen und unterhaltsamen Beschäftigung sei oftmals groß, die Bewegung und motorische Förderung gerate ins Hintertreffen. „Es braucht ein ausgewogenes Verhältnis“, meint der 31-Jährige. Man könne besser feste Zeiten vorgeben: wann der Computer erlaubt sei und wann es auf den Spielplatz gehe. „Das Interesse am Spielen und Toben ist bei Kindern da, es ist angeboren.“ Es sei nur wichtig, gemeinsam die Lust an der Bewegung zu fördern und die richtigen Anreize zu finden.

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