Der Emder Wall ist um eine Attraktion reicher: Es gibt jetzt einen Bewegungsparcours für Menschen jeder Altersgruppe. Der hat einige Stärken - aber auch Schwächen. Eine Sportlerin hat getestet.
Was und warum
Darum geht es: Es wird sportlicher in Emden. Es gibt einen neuen Parcours auf dem Wall.
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, Sportinteressierte
Deshalb berichten wir: Der Sportparcours wurde kürzlich eröffnet. Wir wollten ihn testen und haben die Sportlerin Martina Grammel gefragt.
Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Emden - Martina Grammel hat sich schon mal etwas warm gemacht. Sie will den neuen Freiluftparcours am Emder Wall testen. Der wurde erst kürzlich von der Stadt am Heuzwinger (zwischen Schützenhof und Brücke zum Neuen Theater) eröffnet. Er soll für Menschen jeder Altersklasse eine Möglichkeit zum Trainieren bieten. Die 31-Jährige hat sich Handschuhe angezogen, die man auch vom Radfahren kennt. Denn: Damit es hoch hinaus geht auf dem Kletter-Parcours für Erwachsene, braucht sie guten Halt.
Dort sind die Elemente alle verbunden, man kann den Parcours aber auch in Stationen benutzen. So geht es die Emderin an. Sie springt an die Hangelstangen, schwingt sich von Strebe zu Strebe vor. „Die Stangen sind zu dick“, bedauert sie. Für kleinere Hände seien sie schlechter geeignet, der Halt fehle. Die Klimmzugstange, die an das Hangeln anschließt, ist nur durch einen kraftvollen Sprung zu erreichen. Dabei ist die 31-Jährige nicht klein. Auch das trainiert schon.
Die richtigen Klimmzüge
Video
Neuer Sport-Parcours am Emder Wall
13.07.2021
Mit Klimmzügen trainiert man einen Großteil des Oberkörpers und kann mit vielen Variationen die Übung schwieriger oder leichter machen. Einiges kann man allerdings auch falsch machen. Es ist etwa sehr wichtig, dass die Schultern nach hinten gezogen und angespannt werden. Der Klimmzug sollte nicht mit Schwung aus dem Körper gelingen, sondern als ruhige Übung. Der Blick ist geradeaus gerichtet. Und statt den Zug nur halb auszuführen, weil dann die Kraft fehlt, kann man sich anfangs auch mit einem Trainingsgummiband behelfen. Dieses wickelt man um die Stange, bildet eine Schlaufe, in die ein Fuß tritt. Das Bein wird normal ausgestreckt, das Hochziehen wird aber leichter.
Der Bewegungsparcours ist Teil einer Aufwertung des Emder Walls. Auch eine Klettermühle entsteht derzeit und der Schwanenteich soll umgestaltet werden. Grafik: Archiv
Für Anfängerinnen und Anfänger empfiehlt die Sportlerin, bei Klimmzügen erst einmal die Stange so zu greifen, dass die Handinnenflächen zu einem zeigen. Dann kommt die meiste Kraft aus dem Bizeps. Greift man die Stange so, dass die Handrücken zu einem zeigen, sei das deutlich schwieriger, die Technik und die Kraft müssen ausgereifter sein. Auch kann man variieren, wie weit auseinander die Hände die Stange greifen. Greift man enger als schulterbreit, ist es ebenfalls etwas leichter.
Schwieriger für kleinere Menschen
Wie in der Kindheit kann man schwingen - und vielseitig trainieren.
Die Höhe der Stange sei generell cool, meint sie. Die 31-Jährige bedauert aber etwas, dass es kein Tau oder keine Ringe an der sehr hohen Stange gibt, die Übungen noch vielfältiger oder inklusiver für auch kleinere Menschen machen könnte. Wer sich noch vor der Höhe scheut, findet im Erwachsenenbereich aber auch zwei niedrigere Stangen vor und kann auch im „Kinderbereich“ die niedrige Reckstange nutzen. „Die Höhe ist toll“, sagt Martina Grammel lachend.
Hier sind für Menschen, die nicht so kopffest sind, auch viele andere Übungen möglich, die natürlich auch an der hohen Stange funktionieren: etwa Rollen vor- oder rückwärts, ein Bauchtraining, bei dem man hängend die Beine gerade hochzieht oder bei dem man kopfüber hängend - die Stange in den Kniekehlen - den Oberkörper mit Kraft hochzieht.
Fitness für Kinder und Senioren
Überhaupt bietet der Kinderbereich einiges. Die 31-Jährige hängt sich spielerisch in das dortige Kletternetz und schwärmt von den anderen Möglichkeiten, die die Kinder zum Hangeln, Klettern und Schwingen nutzen können. Das sei insbesondere toll, weil immer weniger Kinder ihren Körper richtig kennen und nutzen können. Das hat erst kürzlich der Gesundheitsbericht der Stadt Emden bestätigt, wonach Mädchen und Jungen, die ins schulpflichtige Alter kommen, Probleme mit der Augen-Hand-Koordination sowie Motorik haben.
Insbesondere der Oberkörper wird bei vielen Übungen beansprucht.
Martina Grammel, die hauptberuflich als Physiotherapeutin arbeitet, betont auch die Wichtigkeit des Balance-Bereichs bei der Sportanlage. Dieser wurde von dem Emder Seniorennetzwerk Nettwark mitentwickelt. „Gleichgewicht ist wichtig für alle Altersklassen“, betont sie. Aber insbesondere Senioren seien häufig sturzgefährdet und hätten Probleme mit ihrer Balance - speziell nach Operationen. „Zu Hause haben viele nicht die Möglichkeiten, richtig zu trainieren“, sagt die Expertin. Sie rät zum Beispiel, eine Decke aufzurollen und darauf zu balancieren. Der Parcours aber bietet nun eine gute Möglichkeit zur Rückgewinnung des Gleichgewichts - mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, aber stets einer Stange zum Festhalten. Auf einer festen Balancier-Stange, einem Seil und einem Balken mit Sprungfedern darunter kann trainiert werden.
Das Hangeln erfordert Konzentration und einen guten Griff mit den Händen. Die Stangen sind leider etwas zu dick für ihre Hände.
Wer auch hier variieren will, findet viele Möglichkeiten. Das demonstriert die Sportlerin: Sie springt einbeinig auf die wacklige Stange. Oder sie macht Liegestütze an dem Seil. Auch unterschiedliche Ausdauerübungen sind möglich. Sie könne sich gut vorstellen, dass man sich locker einen ganzen Trainingsplan für den Parcours erstellen könnte, für dessen Abarbeitung man auch eine Stunde oder mehr brauchen könnte. Sie selbst trainiert sechsmal - aber bei sich zu Hause. Ihr Mann hat ihr unter anderem Hangelstangen unter dem Carport aufgebaut. „Ich kann die Ausrede Corona nicht verstehen, um nicht zu trainieren“, sagt sie.