Parteien

Emder SPD zieht mit komplett neuer Führung in den Wahlkampf

Heiko Müller
|
Von Heiko Müller
| 17.07.2021 20:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Erste Gratulantin des neuen Emder SPD-Chefs Matthias Arends war Maria Winter. Die Chefin der Emder SPD-Ratsfraktion saß im Präsidium des Parteitages. Fotos: F. Doden
Erste Gratulantin des neuen Emder SPD-Chefs Matthias Arends war Maria Winter. Die Chefin der Emder SPD-Ratsfraktion saß im Präsidium des Parteitages. Fotos: F. Doden
Artikel teilen:

Matthias Arends ist auf dem Parteitag des SPD-Unterbezirks Emden zum Vorsitzenden gewählt worden. 50 von 52 Delegierten stimmten für ihn. Bis zu diesem Neuanfang dauerte es lange.

Was und warum

Darum geht es: Die Emder SPD wagt einen Neufang.

Vor allem interessant für: Leute, die sich für Politik und Parteien interessieren.

Deshalb berichten wir: Der SPD-Unterbezirk Emden hatte am Sonnabend ihren ersten ordentlichen Parteitag seit langem. Die Delegierten wählten einen neuen Vorstand. Unsere Redaktion hat die Sitzung verfolgt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Emden - Die Emder SPD hat sich personell neu aufgestellt. Sie zieht mit einer fast komplett ausgetauschten Führungsspitze in die bevorstehenden Wahlkämpfe für den Stadtrat und den Bundestag. Der Parteitag hat am Sonnabend in der Bronshalle den Landtagsabgeordneten Matthias Arends mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden des Emder Unterbezirks gewählt. Für den 50-Jährigen votierten 50 Delegierte, zwei stimmten gegen ihn. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Ursprünglich sollte Arends schon Anfang 2020 das Zepter übernehmen, nachdem sein Vorgänger Christian Röben und dessen Stellvertreter ihren Rücktritt erklärt hatten. Wegen der Corona-Pandemie hatten die Sozialdemokraten den Parteitag in der Zwischenzeit aber mehrmals aufgeschoben, so dass mehr als anderthalb Jahre bis zum Neuanfang vergingen. In dieser Zeit führte Röben den knapp 400 Mitglieder zählenden Unterbezirk kommissarisch, ohne aber der Partei wesentliche Impulse zu geben.

Es war kein „Jubelparteitag“

Von der neuen Führungsspitze um Arends erhoffen sich die Emder Sozialdemokraten zwar eine Initialzündung, von dem „Jubelparteitag“, den sich der neue Chef im Vorfeld gewünscht hatte, einer Aufbruchstimmung und von wirklicher Kampflust war am Sonnabend in der Bronshalle allerdings nur wenig zu spüren. Zu tief sitzen wohl noch die Stachel der historischen Niederlagen bei der Kommunalwahl 2016 und bei der Wahl des Oberbürgermeisters im Herbst 2019 - damals unterlag SPD-Kandidat Manfred Eertmoed dem parteilosen Kandidaten Tim Kruithoff deutlich.

Arends beschwor am Sonnabend ebenso wie der aus Emden stammende Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff und die Ratsfraktionschefin Maria Winter die länger als sechs Jahrzehnte währende Epoche der Nachkriegszeit, in denen Sozialdemokraten die Geschicke der Stadt bestimmten und das Gesicht Emdens prägten. „Wir brauchen uns das von niemanden klein reden zu lassen“, sagte der neue Vorsitzende.

Saathoff: Auf Werte besinnen

Gleichwohl glaubt er nicht daran, dass die SPD zur alten Stärke zurückkehrt. Er wäre zufrieden, wenn seine Partei bei der Kommunalwahl am 12. September zumindest das Ergebnis von 2016 erreichen wird, sagte Arends dieser Zeitung. Vor fünf Jahren war die SPD in Emden bei 31 Prozent gelandet. Damit blieb sie zwar die stärkste Fraktion im Rat, büßte aber dramatische 20,8 Prozentpunkte ein.

Der Parteitag der Emder SPD verlief ohne Personaldebatte und größere inhaltliche Diskussionen. Die Delegierten tagten in der Bronshalle. Gastgeberin war die Tanzschule Olfa Hellwig.
Der Parteitag der Emder SPD verlief ohne Personaldebatte und größere inhaltliche Diskussionen. Die Delegierten tagten in der Bronshalle. Gastgeberin war die Tanzschule Olfa Hellwig.
Saathoff rief seine Genossinnen und Genossen zu mehr Selbstbewusstsein auf. Sie sollten sich auf die Werte der SPD, nämlich Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, besinnen, stolz auf die Erfolge sozialdemokratischer Politik sein und davon auch anderen erzählen. Zugleich räumte der Parlamentarier ein, dass die Emder SPD nach der Wahlniederlage von 2016 „ein paar Jahre gebraucht“ habe, sich neu aufzustellen.

Wahlprogramm kommt im August

Ein „Vermittlungsmanko“ der Partei nach außen machte hingegen der Emder Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt und Sozialdemokrat Friedhelm Merkentrup in einem Grußwort aus. Er appellierte an die Delegierten, die Erfolge der SPD „in die Bevölkerung und die Familien zu tragen“.

Laut Arends will die Emder SPD am 14. August bei einer Mitgliederversammlung ihr Programm für die Kommunalwahl im September vorlegen. Einfließen sollen darin die Ergebnisse, die fünf Arbeitskreise des Unterbezirks zu verschiedenen Themenbereichen erarbeitet haben. Zuvor ist für Ende Juli ein erstes Treffen des erweiterten Unterbezirksvorstandes geplant. Dabei soll es um die künftige Zusammenarbeit und um die nächsten Ziele gehen.

Neben Arends gehören der der neuen Führungsspitze der Emder SPD die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Gertrud Rehling und Andreas ten Hove an. Neuer Schriftführer ist Bernhard Heeren, dessen Stellvertreter Dr. Rolf Uphoff. Das Amt des Kassierers übernahm Robin Löbnitz. Er wird von Doris Kruse vertreten. Bildungsobmann bleibt Günter Kottkamp. Die meisten Stimmen bei der Wahl der insgesamt elf Beisitzerinnen und Beisitzer vereinigten Uwe Rozema, Horst Götze und Karola Brunken auf sich.

Ähnliche Artikel