Kolumne: Alles Kultur
Kultur ist wichtig
Auf unserem Online-Auftritt veröffentlichen wir an sechs Tagen pro Woche eine Kolumne. Montags geht es immer um Kultur.
Musik, Literatur, Tanz, Malerei – mit nichts anderem lässt sich das Leben besser feiern und jedes Elend besser ertragen. Wir tragen mit Musik unsere Verstorbenen zu Grabe, ehren die Liebe zweier Menschen mit einem Tanz und bewahren mit einem Bild unsere Erinnerungen. In Musik können wir uns fallen lassen, in einem Tanz manchmal sogar so weit, dass sie uns bis in eine Trance entführt. Oder mit einer Geschichte, mit einem Buch, reisen wir in eine völlig andere Welt. Vieles von dem stand in den letzten 17 Monaten still.
Aber ich wehre mich vehement gegen das geläufige Geschrei meiner Bühnenkolleg*innen, wir hätten ein Berufsverbot gehabt. Hatten wir nicht. Wir hatten nicht mal ein Auftrittsverbot wie sämtliche Livestreams im Netz bewiesen haben. Wir hatten jedoch keinerlei Auftrittsmöglichkeit vor echtem Publikum, da große Menschenansammlungen verboten waren. Mein Beruf ist mir also nicht verboten worden, dafür jedoch ein großer Teil seiner Ausübung und zum größten Pech eben der Teil, der das Geld bringt.
Man kann hier nicht mit Begrifflichkeiten kommen, die in der DDR oder im 3. Reich ganz anderer „Qualität“ waren. Ich spreche mir und meinen Kolleg*innen dadurch nicht die Brisanz der Lage ab. Mir hat die Zukunftsangst oft die Luft abgeschnürt. Viele Fans haben gemeinsam mit Protagonist*innen der deutschen Kulturszene der Kultur eine Systemrelevanz bescheinigt. Auf die Dauer gesehen kann ich das unterschreiben. Kultur ist wichtig. Auf lange Sicht ist sie systemrelevant, da sie unser friedliches Zusammenleben sichert und unsere Gesellschaft sonst wahrscheinlich implodieren würde.
Sie aber gleichzustellen mit einem Lebensmittelmarkt und ärztlichen Versorgungsdiensten, das finde ich schwierig. Denn ohne die Bereitstellung dieser Güter sind wir in kürzester Zeit am Ende. Um mal gleich das nächste Extrem anzuführen: Ist Kultur also überflüssig? Das mag man meinen, wenn man volle Fußballstadien sieht, aber die Kleinkunstbühne im Harz wegen der Auflagen keine Öffnungsperspektive hat. Kultur scheint hier in den Augen der Politik wohl eher ein Luxus zu sein.
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