Zur Person
Gestatten, Deuber, der Wettermann aus Oldersum
Seit Jahren wertet Jörg Deuber für die Redaktion die Wetterdaten des Vormonats aus. Sein Name taucht in unzähligen Berichten auf, sein Gesicht allerdings so gut wie nie. Wer ist der Mann?
Was und warum
Darum geht es: Jörg Deuber, DWD-Mitarbeiter aus Oldersum und leidenschaftlicher Wolkengucker.
Vor allem interessant für: Aufmerksame OZ-Leserinnen und -Leser, denen Deuber in den Berichten seit Jahren begegnet.
Deshalb berichten wir: Monat für Monat spricht die Redaktion mit Jörg Deuber über das Wetter in Ostfriesland und lässt den Experten zu Wort kommen. Wir wollten dem Fachmann aus den Berichten endlich einmal ein Gesicht geben und den Leserinnen und Lesern zeigen, wer der Mann ist, der für sie in schöner Regelmäßigkeit die Daten analysiert. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Fragt man Deuber, wie er selbst seine Aufgabe sieht, fällt der Begriff Wetterbeobachter. Ein Meteorologe, betont er, sei er nicht. Schließlich habe er nie studiert. Er wollte mal. Eigentlich wäre er gerne Bauingenieur geworden. Er hatte schon eine Maurerlehre angefangen, aber dann kam alles anders. Ein Brief beendete die mögliche Karriere auf dem Bau noch ehe sie so richtig angefangen hatte.
Taschengeld für Wetter-Bücher ausgegeben
Im Nachrückverfahren erhielt Deuber eine Zusage für eine Ausbildung beim Deutschen Wetterdienst. Genauer gesagt: beim Geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr. Die beiden Behörden machten in den 1970er Jahren gemeinsame Sache in der Nachwuchsarbeit. Und so verließ der damals 16-Jährige seine Heimat in der Wesermarsch und zog nach Neustadt an der Weinstraße.
Stolze Bauten interessieren ihn. Seine Leidenschaft aber sind das Wetter und die Natur. „Der Job hat mich sofort angefixt“, sagt er und muss lachen. „Ich haben mein ganzes Taschengeld für Bücher über das Wetter ausgegeben.“ Beim Wetterdienst für die Bundeswehr lernte er dann noch mehr über Wolken, Wind und deren komplexen Zusammenhänge. Es fasziniert ihn bis heute: „Mir wird nicht langweilig. Das Wetter ist nie gleich“, sagt er.
Kampf gegen das Unkraut
In den 1980er kam er mit seiner Familie nach Ostfriesland. Es war eine Zeit, in der sich die Bundeswehr vor allem auf Menschen und weniger auf Technik verließ. Deuber und seine Kollegen ließen Wetterballons steigen, erstellten Vorhersagen für die Marine und guckten dafür buchstäblich noch in die Luft. Das Wissen aus dieser Zeit werde durch die Technisierung und Digitalisierung verdrängt, bedauert er.
Als Deuber im April 1977 zum DWD in Emden wechselte, sei die damals neu am Flughafen aufgebaute Wetterstation noch mit neun Mitarbeitern betrieben worden. Mittlerweile kommt Deuber nur noch selten zu den Messinstrumenten. Sie melden ihre Daten schon lange vollautomatisch. Ab und zu sieht er nach dem Rechten. Meistens ist er nur noch hier, um zu mähen und zu verhindern, dass das Unkraut die Überhand gewinnt. Seine Hauptaufgabe heute ist es, das Stationsnetz der ehrenamtlichen DWD-Mitarbeiter zu betreuen. Es spannt sich von Ostfriesland bis ins Weserbergland. Deuber hilft den Helfern, die Messinstrumente richtig auszurichten und zu bedienen.
Die Überlegenheit der Technik
Am liebsten aber guckt er in den Himmel. „Aus bestimmten Wolkenformationen lassen sich Vorhersagen treffen“, weiß er und schwärmt vom Anblick einer Altocumulus castellanus – „einer Wolkenwand mit Zinnen“, so Deuber. Sie sei ein sicheres Zeichen für Gewitter. Bei aller Begeisterung für menschliche Intuition und Erfahrung erkennt der 60-Jährige die Überlegenheit der Technik in der Meteorologie an.
Eine 24-Stunden-Vorhersage von früher sei so genau gewesen wie eine Fünf-Tages-Prognose von heute. „Das ist schon deutlich besser geworden“, sagt er. Trotzdem trauert der Wettermann aus Oldersum der Zeit der analogen Expertise nach. „Als die ersten Satelliten kamen, ist für alte Meteorologen eine Welt zusammengebrochen“, so Deuber.