Entwicklung
Nicht nur das Wetter hat Folgen für den Anbau
Neulich zerstörte extremer Hagel viele Felder in der Krummhörn. Welche Folgen aber haben dieses und andere Wetterextreme für den Anbau und spielen weitere Faktoren eine Rolle? Wir haben nachgefragt.
Was und warum
Darum geht es: Das Wetter ist nicht der einzige Faktor, der in Zukunft Auswirkungen auf den Ackerbau in Ostfriesland haben könnte.
Vor allem interessant für: Landwirte und Verbraucher, deren Versorgung künftig vielleicht auch durch neue Pflanzen gewährleistet wird
Deshalb berichten wir: Nachdem kürzlich ein heftiger Hagelschauer große Teile der Ernte in der Krummhörn und in Teilen des Norderlands zerstört hatte, haben wir uns gefragt, wie die Landwirte darauf langfristig reagieren. Den Autoren erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Neben Visquard war am vorvergangenen Wochenende vor allem Pewsum hart von einem Hagelschauer erwischt worden. Zu den Betroffenen zählt Milva Iderhoff, deren Ackerbohnen einen Totalschaden erlitten, während beim Raps und Getreide vermutlich mehr als die Hälfte der Pflanzen betroffen ist. Normalerweise schlage der Hagel nur sehr punktuell auf, sagt Iderhoff. Der ganze Ort auf einmal war laut ihr jedoch noch nie betroffen. „Nichts kann einen davor schützen. Darum bin ich gegen Hagelschäden versichert“, sagt die Pewsumerin.
Trockenheit und höherem Salzgehalt soll begegnet werden
Auch Carl Noosten vom Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland weiß keinen Rat, wie man sich vor Hagel schützen kann. Auch bei Starkregen werde es schwierig, weshalb man sich inzwischen dagegen ebenfalls versichern könne. Mehr Spielraum gebe es bei Trockenheit, die zuletzt drei Jahre in Folge Probleme verursacht habe. „Da könnte zum Beispiel Lupinen interessant für die Zukunft sein“, sagt der Vorsitzende des Kreisverbands Norden-Emden. Diese könnten gut mit der Frühjahrstrockenheit umgehen, hätten einen hohen Eiweißgehalt und eigneten sich auch für veganes Eis und andere Produkte aus dieser Richtung, für die sich in den vergangenen Jahren ein neuer Markt auftat. Das sei ein wichtiger Stichpunkt, denn beim Anbau werde nicht nur auf die klimatischen Verhältnisse, sondern natürlich auch auf die Nachfrage geschaut.
Ein weiteres Beispiel für einen umweltbedingten Wandel beim Ackerbau könnten in Zukunft Pflanzen sein, die besonders tolerant gegenüber Salz sind. Entsprechende Feldversuche führe man bereits in den Niederlanden durch. Immerhin gelange das Salz aus der See bei steigendem Meeresspiegel immer mehr ins oberflächennahe Grundwasser. „Darauf müssen wir reagieren“, fordert der Dornumer. Man müsse jedoch bei der Planung immer bedenken, dass das Züchten neuer Sorten zehn Jahre lang dauere.
Campener Landwirt sieht keinen Handlungszwang
Aber auch schon jetzt werde natürlich bei der Auswahl von Sorten auf Umweltbedingungen geachtet. Sie müssten gut in dem jeweiligen Boden gedeihen und möglichst unanfällig gegenüber Parasiten sein. So sei in Ostfriesland zum Beispiel Weizen gebräuchlich, dem Fusarien – eine Schlauchpilz-Gattung – nicht anhaben können. Dieser entstehe, wenn es während der Blütezeit anfange zu regnen.
Noostens Stellvertreter Gerd-Udo Heikens hingegen leitet aus dem Wetter der vergangenen Jahre keinen Handlungszwang ab. Landwirte würden Wetterdaten langfristig auswerten und aus denen gehe hervor, dass es sich in den vergangenen Jahren eher um Schwankungen als um dauerhafte Veränderungen gehandelt habe. Starkregen und heftigen Hagel habe man auch schon früher gehabt, auch wenn es sich um Einzelfälle gehandelt habe. Deswegen müsse man aber nicht gleich beim Ackerbau auf andere Pflanzen umstellen. Heikens selbst sei beispielsweise seit 18 Jahren selbstständiger Landwirt, aber habe nie eine Hagelversicherung abgeschlossen. Erst in diesem Jahr hätte sie sich mal gelohnt, sagt er.
Unabhängig vom Wetter habe es in den 90er Jahren dann aber doch einen Wandel bei den Pflanzen gegeben: „Sie sind seitdem gesünder und standfester“, sagt der Campener. Nach dem Krieg, als die Leute Hunger litten, sei die Landwirtschaft vor die Aufgabe gestellt worden, unter allen Umständen möglichst schnell viele Menschen zu versorgen. Inzwischen spielten auch die Qualität der Pflanzen und die Resistenz gegen Krankheiten und Parasiten wichtige Rollen. Immerhin werde der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer kritischer gesehen. Sie seien teuer und gerade für Biobetriebe, die auf diese Mittel verzichten wollen, wachse der Druck.