Ostfriesland, Land am Meer

Mal was anderes als Schaf und Huhn

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 30.06.2021 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Auf ostfriesischen Weiden sind neben dem klassischen Vieh gelegentlich auch Nutztiere mit Migrationshintergrund zu finden. Wir stellen zwei Vertreter vor.

Ostfriesland - Kühe, Schweine, Schafe, Getreide, Gemüse und hier und da Kartoffeln – die landwirtschaftliche Produktion in Ostfriesland folgt den klassischen Linien und wirkt weitgehend unspektakulär.

Doch Landwirtschaft ist nicht immer gleich Landwirtschaft. Im Laufe der Zeit hat sich die eine oder andere Nische gebildet: Vor allem Tiere, aber auch Pflanzen, die es in unseren Breiten sonst nicht gibt, haben sich einen Platz auf dem heimischen Agrarmarkt erobert. Wir stellen drei „Exoten“ vor.

Lange Hälse und weiche Wolle: Alpakas

Elke Meyer-Bertermann mit einem Alpakafohlen vom Hof „Frya Fresena“in Uplengen. Foto: Ortgies
Elke Meyer-Bertermann mit einem Alpakafohlen vom Hof „Frya Fresena“in Uplengen. Foto: Ortgies
Die knuffigen Wolle-Lieferanten aus Südamerika erleben seit einigen Jahren einen regelrechten Boom in Deutschland. Auch in Ostfriesland gibt es mehrere Alpakazüchter. Einer von ihnen ist Reiner Meyer, der mit Ehefrau Elke Meyer-Bertermann seit zehn Jahren im Nebenerwerb eine eigene Zucht in Uplengen unter dem Namen „Frya Fresena“ betreibt. Damals wollten sie den bäuerlichen Betrieb reaktivieren, den die Eltern einige Jahre zuvor krankheitsbedingt aufgegeben hatten. „Mein Mann hat die Landwirtschaft im Blut, ich eher nicht so“, sagt Meyer-Bertermann. „Deshalb haben wir nach Tieren gesucht, die pflegeleicht sind und die ich auch händeln kann, wenn er gerade nicht da ist. Und in die Alpakas hatte ich mich auf den ersten Blick verliebt.“

Alpakas leben eigentlich in den Hochplateaus von Chile oder Peru. Die karge Landschaft dort macht sie zu guten Futterverwertern und auch in unseren Breiten genügsam im Unterhalt. „Sie fressen Magergras und Magerheu und brauchen ein paar Mineralien, Das ist alles“, sagte Meyer-Bertermann. „Und sie sind sehr robust und kaum krankheitsanfällig. Im Prinzip ist ein Alpaka günstiger als ein Hund.“ 35 Tiere haben die Meyers, davon 20 Stuten. Haupterwerb ist der Verkauf von Tieren an andere Züchter, die ihre Linien auffrischen wollen. Außerdem verkaufen sie die edle, hypoallergene Wolle der Alpakas, sowie daraus selbst gestrickte Einzelstücke wie Schals, oder Mützen. Darüber hinaus bieten sie Hofbesichtigungen an. Alpakafleisch ist in Deutschland kein Thema. Das verbieten schon die Statuten des Alpaka-Zucht-Verbands Deutschland (AZVD). Ihm gehören 453 Zuchtbetriebe mit bundesweit knapp 14.500 Tieren an. „Es wäre aber auch nicht wirklich sinnvoll“, sagt Meyer-Bertermann. „Denn Alpakas setzen von Natur aus verhältnismäßig wenig Fleisch an. Und warum sollte man ein Tier schlachten, das man 20 bis 25 Jahre lang scheren kann?“

Riesen mit Federn: Strauße

Karin und Gerd-Lüken Janßen mit den Alpakahengsten Manni (vorn) und Bruno. Foto: Schönig
Karin und Gerd-Lüken Janßen mit den Alpakahengsten Manni (vorn) und Bruno. Foto: Schönig
In Holtrop halten Gerd-Lüken Janßen und Ehefrau Katja auf dem Fuddenhof seit rund neun Monaten fünf Alpakas. „Eigentlich sollten sie unseren Legehennen nur Bussarde und Füchse vom Hals halten“, erklärt Katja Janßen. „Wir haben aber schnell entdeckt, dass diese Tiere noch viel mehr können.“ Die Janßens vermarkten das Vlies der Tiere und lassen Wolle daraus herstellen. Außerdem bieten sie Alpakawanderungen an, die von einer Fotografin begleitet werden können. „Wir werden in letzter Zeit häufig für Hochzeitsfotografien mit den Tieren angefragt“, sagt Katja Janßen. Langfristig wollen sie ihren Bestand ausweiten und auch selbst Tiere für die Zucht vermarkten.

Dem größten flugunfähigen Vogel der Welt widmet sich seit fünf Jahren Henry Wegener. Er betreibt gemeinsam mit Ehefrau Ines den „Hof-Straußen-Ei“ in Rechtsupweg, die einzige Straußenfarm in Ostfriesland. „Die Idee dazu kam, nachdem wir längere Zeit in Namibia gelebt hatten“, erklärt Henry Wegener. „Strauße gab es in Ostfriesland noch nicht, sie legen Eier und das Fleisch ist auch lecker.“ Die gefiederten Riesen mit den strammen Schenkeln fühlen sich in Ostfriesland wohl, sagt Wegener. „Das Klima hier vertragen sie eigentlich noch besser als in Afrika, weil hier die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht nicht so groß sind.“

„Deren Augen sind halt größer als ihr Gehirn“

Strauße sind robust und wenig krankheitsanfällig, aber trotzdem alles andere als unkompliziert. „Die Hähne sind kreuzgefährlich“, sagt Wegener. „Ich habe meine drei Hähne zwar alle mit der Hand aufgezogen, aber man kann keine Beziehung zu ihnen aufbauen. Sobald jemand ins Gehege kommt, wittert der Hahn Konkurrenz und geht drauflos. Und mit seiner Kraft und den scharfen Krallen geht das schnell tödlich aus.“

Seine drei Hähne Hektor, Gottlieb und Clemens hält er deshalb auch jeweils in einer Gruppe mit fünf Hennen. „Wären alle zusammen gäbe es sofort Mord und Totschlag unter den Hähnen. Deren Augen sind halt größer als ihr Gehirn.“ Auch Hofbesichtigungen macht Wegener nicht, weil die Tiere zu empfindlich reagieren. „Abgesehen davon, dass unachtsame Besucher sich schnell in Gefahr bringen könnten, bringen Besucher auch Unruhe in die Herde, wodurch sich die Legeleistung der Hennen verringert.“

Shake it, Baby! Mit dem straußentypischen Balztanz baggert Hektor seine Hühner an. Foto: Schönig
Shake it, Baby! Mit dem straußentypischen Balztanz baggert Hektor seine Hühner an. Foto: Schönig
Von seinen Straußen vermarktet Wegener die Eier und das Fleisch im eigenen Hofladen. Sein Verkaufsschlager ist Straußen-Eierlikör, den es in acht Geschmacksrichtungen gibt. Neben Steaks und Gulasch aus den Schenkeln sowie Straußenhals verkauft Wegener Schinken und Wurst aus dem Fleisch der Tiere und Nudeln aus Vollei sowie kunsthandwerklich verarbeitete Schlüpfschalen zur Dekoration. Keine Verwendung hat er für die Federn, obwohl es auch dafür eine gäbe: „Sie geben die besten Staubwedel ab, die vor allem bei Nobelkarossen benutzt werden“, erklärt Wegener. „Um 1900 herum wurden Strauße sogar nur wegen der Federn gezüchtet.“

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