Landwirtschaft
Experten nehmen Hagelschäden unter die Lupe
Bei dem großen Unwetter vor gut einer Woche zerstörte der Hagel auch große Teile der Ernte. Nun sehen sich Experten das Ausmaß an. Unsere Zeitung schaute ihnen in Visquard über die Schulter.
Was und warum
Darum geht es: die Folgen von sogenannten Starkwetterereignissen für die Landwirtschaft. Sie treten in den vergangenen Jahren immer häufiger auf.
Vor allem interessant für: Landwirte und andere, die von den Folgen des Wetters und von Ernteschäden betroffen sind – also theoretisch auch jeder Verbraucher.
Deshalb berichten wir: Nach dem kürzlichen Unwetter haben wir auch mit Versicherern gesprochen, die uns angeboten haben, bei der Begutachtung vorbeizuschauen. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Dr. Michael Schulte ist stellvertretender Bezirksdirektor der Vereinigten Hagelversicherung Gießen, Wilfried Fick arbeitet als Generalagent der R+V Versicherungsgruppe in Norden. Jetzt stehen die beiden am Rande eines Feldes und schauen sich mit rund einem Dutzend Sachverständiger aus der Landwirtschaft Gerste an. Gemeinschaftstaxe nennen sie das. Visquard und Pewsum hätten bei dem Unwetter besonders viel abbekommen, heißt es. Im Falle der Gerste wird mit einer Schadensquote von 70 bis 80 Prozent gerechnet, die damit, wie auch die Ackerbohne, besonders betroffen ist. Genaueres zur Schadenshöhe sagen könne man aber erst in ein paar Wochen, nach der sogenannten Endregulierung.
„So etwas habe ich in 30 Jahren nicht erlebt“
Der Wert einer Ernte schwanke und sei von der Qualität und den Marktpreisen abhängig, weshalb die Höhe der Versicherung auch jedes Jahr neu berechnet werden, erklären Schulte und Fick. Dieses Jahr wäre eigentlich ein sehr gutes gewesen, wenn da nicht das Unwetter zugeschlagen hätte. Der Hagel beschädigt die Pflanzen nämlich nicht nur direkt, sondern schwächt sie auch, wodurch sie anfälliger für zum Beispiel Pilze werden. Ein genaues Schadensbild gebe es daher auch erst in ein paar Wochen.
Hagel ist nicht gleich Hagel
Hagel sei dabei nicht immer Hagel. So habe nicht nur die Größe der Körner Einfluss auf die Schäden, sondern auch die Beschaffenheit, heißt es weiter. So hätten manche von ihnen abgerundete Ecken, während andere das Getreide regelrecht aufschneiden können. Milva Iderhoff gehört dabei zu den besonders betroffenen Landwirtinnen und verdeutlich im Gespräch mit unserer Zeitung, wie fassungslos sie ist. Bei ihren Ackerbohnen liege ein Totalschaden vor. Beim Raps und dem Getreide könnte mehr als die Hälfte des Ernteertrags ausfallen, wenn nicht sogar mehr. Auch in ihrem Fall lässt sich das aber erst in ein paar Wochen genau sagen.
Während die Vereinigte Hagelversicherung noch keine Einschätzung der Gesamtschadenshöhe geben kann, geht die Ostfriesische Brandkasse bereits von einer Summe im Millionenbereich für ihre Versicherten aus. Auch dort wird allerdings noch nachgerechnet.