Ostfriesland, Land am Meer

Komm, wir spielen Bauernhof!

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 23.06.2021 18:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Landwirtschaft erfreut sich als Spielthema zunehmender Beliebtheit. Wir stellen einige Spiele vor und gehen der Faszination dafür auf den Grund.

Ostfriesland - Die Arbeit eines Landwirts ist anstrengend. Die Arbeitstage sind lang, viele Tätigkeiten körperlich oder psychisch anspruchsvoll und in den Urlaub fahren können die Wenigsten. Der Hof führt sich schließlich nicht von alleine. Umso bemerkenswerter ist es, dass offenbar viele Menschen ihre Freizeit damit verbringen, diesen rauen Alltag im Spiel zu simulieren. Ob an Spielbrett, Smartphone oder PC: Spiele mit landwirtschaftlichem Hintergrund sind enorm beliebt. Begonnen hat dieser Siegeszug vor zwölf Jahren, als über Facebook das Online-Spiel Farmville an den Start ging.

Dort waren zeitweise mehr als 80 Millionen Nutzer registriert, die in ihren freien Minuten Felder bestellten, Vieh kauften und mit erspielten „Coins“ oder real ausgegebenem „Cash“ ihre Höfe verschönerten. Das alte Farmville gibt es inzwischen nicht mehr. Gibt man aber im App Store seiner Wahl Begriffe wie „Farm“ oder „Landwirtschaft“ ein, erhält man diverse Spielangebote für Smartphone und PC rund ums Anbauen, Viehzüchten und Treckerfahren. Auch das gute alte Brettspiel führt bisweilen auf den Acker und in den Stall. Grund genug, hier einmal eine kleine Auswahl von Spielen vorzustellen.

Landwirtschafts-Simulator (PC)

Das 2008 erstmals erschienene Simulationsspiel ist inzwischen eines der meistverkauften Computerspiele in Deutschland. Die neueste Version, „Landwirtschafts-Simulator 2022“, soll gegen Ende dieses Jahres auf den Markt kommen. Ziel des Spiels ist es, durch die Bewirtschaftung von Feldern zum erfolgreichen Landwirt aufzusteigen. Der Spieler beginnt auf einem Bauernhof mit wenigen kleinen Maschinen, die im Spielverlauf mit dem erwirtschafteten Gewinn gegen größere Maschinen getauscht werden können. Ein Wirtschaftssystem beeinflusst dabei die erzielten Preise für die Ernte.

Info zum Spiel

Spiel: „Landwirtschafts-Simulator (für PC und Konsolen) Hersteller: Giants Software (CH) Preis: ca. 30 Euro

Eine einfache Wettersimulation und ein Tag-Nacht-Zyklus erfordern außerdem ein wenig Planung, wann welche Tätigkeiten ausgeführt werden können. Die Maschinen müssen betankt und die Geräte mit Inhalt wie etwa Saatgut befüllt werden. Seit 2011 sind auch Tiere im Spiel enthalten. Außerdem kann man inzwischen Biogasanlagen sowie Gewächshäuser und Bienenhäuser betreiben. Auch die Forstwirtschaft ist integriert. Wer sich in der Landwirtschaft nicht auskennt, kann mit einzelnen Missionen wie Heuballen pressen und Kühe füttern ein Gefühl für das Spielprinzip, die Gerätschaften und die typischen Tätigkeiten bekommen.

Browserspieleund Apps

Browser-Farmspiele haben mit der Realität nichts zu tun. Screenshot: Schönig
Browser-Farmspiele haben mit der Realität nichts zu tun. Screenshot: Schönig
Sie heißen „Farmville 2“, „Golden Farm“ oder „Hay Day“. Das Prinzip ist in allen im Wesentlichen das Gleiche: Man sät, erntet und bringt seine Farm sukzessive auf Vordermann und baut sich nach und nach Viehställe. Für jeden Erfolg gibt es Spielgeld, das man neu investieren kann. Außerdem kann man auf Messen gehen und Preise gewinnen oder Erfahrungspunkte sammeln, indem man seinen Nachbarn hilft. Am Anfang wachsen solche Farmen relativ schnell, doch je höher man im Spiellevel steigt, desto komplexer werden die Aufgaben. Sie können dann mehrere Tage dauern, wobei man aber regelmäßig spielen muss, weil man sonst zum Beispiel die Ernte verpasst und sie verdorrt.

Infos zum Spiel:

Spiele: „Farmville 2“, „Golden Farm“ u.a.

Hersteller: Zynga, P.D. Playgenes u.a. Preis: kostenlos in App Stores und bei Google Play

Es gibt Hilfsmittel, mit denen man Missionen beschleunigen kann, die müssen mit echtem Geld bezahlt werden. Solche In-App-Käufe sind in allen Spielen möglich. In „Golden Farm“ gibt es sogar ein Paketangebot für knapp 350 Euro. Wer sowas kauft, um in einem Browserspiel ins nächste Level zu kommen, hat ganz andere Probleme als nur die Zeit. Ein weiteres Manko ist, dass Beziehungen zu „Nachbarn“ (oft Freunde, die man zum Spiel eingeladen hat) durch regelmäßige Hilfe aufrechterhalten werden müssen. Die Gemeinschaft wird als Erfolgsfaktor verkauft, auf lange Sicht beuten sich die Spieler aber gegenseitig durch häufige Hilfsanfragen aus. Die In-App-Käufe können außerdem die Gefahr einer Spielsucht fördern. Wissenschaftler begründen den Erfolg derartiger Spiele mit Realitätsflucht, einem Gefühl der Verbundenheit und einer schnellen Befriedigung durch ein ausgeklügeltes Belohnungssystem. Zur realistischen Auseinandersetzung mit der Landwirtschaft taugen Browserspiele schon wegen ihres geringen Datenumfangs nicht.

Brettspiel von den Profis erdacht

Auf die richtige Spielstrategie kommt es auch bei „Landwirt“ an. Foto: MR Arnstein
Auf die richtige Spielstrategie kommt es auch bei „Landwirt“ an. Foto: MR Arnstein
Wer seine Zeit nicht an Computer oder Smartphone verdaddeln will, kann sich dem Thema auch auf die traditionelle Weise nähern: mit Spielfiguren, Würfeln und Ereigniskarten. Das geht in „Landwirt – das Maschinenring-Brettspiel“. Erdacht wurde das Spiel vom Maschinenring Arnstein in Franken. „Unser Ehrenvorsitzender fragte eines Tages nach Mützen für seine Enkel, weil die gerne mit verteilten Rollen Maschinenring spielen“, erklärt der Maschinenring-Geschäftsführer Sebastian Klein. „Da kam uns die Idee, das Thema mal als richtiges Spiel aufzubereiten.

Es sollte auf jeden Fall ein Brettspiel für die Familie sein, denn am Computer sitzen die Kinder eh noch früh und lange genug.“ Heraus kam ein Strategie- und Würfelspiel zwischen „Monopoly“ und „Auf Achse“ mit Spielfiguren wie Trecker und Mähdrescher.

Infos zum Spiel:

Spiele: „Farmville 2“, „Golden Farm“ u.a.

Hersteller: Zynga, P.D. Playgenes u.a. Preis: kostenlos in App Stores und bei Google Play

„Man muss strategisch denken, was man zum Beispiel anbaut“, beschreibt Klein das Spiel. „Und man muss die entsprechenden Marktpreise im Blick haben, denn die ändern sich im Spielverlauf auch.“ Knapp 2000 Spiele haben die Arnsteiner seit dem Start vor zwei Jahren verkauft. „Wir haben schon Ideen für eine zweite Version und eine mobile Ausgabe, die man auf Reisen mitnehmen kann“, verrät Klein. Wer auch mal am Spielbrett zum Agrarbaron werden möchte, kann sich unter www.mr-arnstein.de an den Maschinenring wenden.

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