Unwetter über Emden und Krummhörn

Superzelle: Wenn sich das Gewitter selbst befeuert

Claus Arne Hock
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Von Claus Arne Hock
| 21.06.2021 16:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Das Gewitter Ende der vergangenen Woche war kein „normales Sommergewitter“. An die sogenannten „Superzellen“ mit ihrer enormen Kraft wird sich Ostfriesland gewöhnen müssen.

Was und warum

Darum geht es: An Gewitter wir Ende vergangener Woche werden sich die Ostfriesen wohl gewöhnen müssen.

Vor allem interessant für: Diejenigen, die sich für Klima und Wetter interessieren – und diejenigen, die in der Region wohnen.

Deshalb berichten wir: Das Gewitter in der Nacht von Freitag auf Sonnabend war eine sogenannte Superzelle.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Emden/Krummhörn - Was da von Freitag auf Sonnabend über die Krummhörn und Emden hinwegzog, war kein „normales“ Gewitter, sondern eine sogenannte Superzelle. „Das ist eine sich selbst immer wieder befeuernde Gewitterwolke“, sagt Jörg Deuber vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Gleich mehrere Faktoren kamen hier zusammen.

Zunächst war es in der vergangenen Woche sehr warm. Die Superzelle ziehe sich die ganze warme Luft heran, „wie ein Staubsauger“, so Deuber. Die warme Luft wird beständig angesaugt, nach oben getrieben, wo sie sich abkühlt und wieder nach unten sinkt. Die aufsteigende Luft rotiert dabei auch noch. „Superzellen sind in ihrer mächtigsten Ausprägung die räumlich und zeitlich größten und gefährlichsten Gewittergebilde“, so der DWD.

Zentrum über der Krummhörn

Was bei dem Unwetter über Emden und der Krummhörn hinzugekommen sei, sei die geringe Bewegung. „Das Gewitter war ja nahezu ortsfest“, so Deuber. Grund hierfür sei eine deutlich verlangsamte Höhenwindströmung, der sogenannte Jetstream. „Das wird uns in Zukunft häufiger passieren“, so Deuber. Normale Gewitter seien deutlich schneller unterwegs. Das Zentrum der Superzelle sei vermutlich im Bereich Woquard gewesen, dazu würde hier auch die Niederschlagsmenge von mehr als 50 Litern pro Quadratmeter passen – eine Menge, wie sie sonst eher in einem ganzen Monat falle.

Auch die Bildung der großen Hagelkörner, die vor allem in der Krummhörn herunterkamen, sei durch die Superzelle zu erklären. Eispartikel würden immer wieder nach oben in die kalte Luft gesaugt, fallen wieder in wärmere Gefilde ab und so weiter – so würden die Hagelkörner immer größer werden, bis sie mit Wucht niederschlagen. 2008 passierte etwas Ähnliches über Emden – dabei wurden rund 30.000 im Freien stehende Fahrzeuge bei Volkswagen beschädigt. Der Schaden ging damals in die Millionen.

Zusammenhang mit Erderwärmung

Die Sogkraft der Superzelle, mit der immer weiter warme Luft herangezogen werde, sei auch in ein paar Kilometern Entfernung merklich. „Drei bis vier Kilometer vor der Zelle kann sich die Windrichtung plötzlich drehen“, sagt Deuber. Das sei auch ein Hinweis auf eine Superzelle, genauso wie die „Blitze im Halbsekundentakt“. Es sei auch merklich, dass Superzellen in Norddeutschland immer häufiger vorkommen. Eine direkte Folge des Klimawandels und der Erderwärmung. „Solange wir die Erderwärmung nicht stoppen, wird es auch mehr Superzellen geben“, so der Wetterexperte. „Wir werden mit solchen Extremwetterereignissen leben müssen.“ Dennoch sei, zumindest noch, ein Gewitter wie Ende vergangener Woche etwas, „was man als Wetterbeobachter nicht alle Tage“ erlebe. Deuber wolle auch nicht ausschließen, dass sich Tornados oder Wasserhosen gebildet haben.

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