Wetter
Hagelschauer trifft Krummhörn hart: Landwirtin fassungslos
In der Nacht zu Sonnabend fielen in der Gemeinde Krummhörn Unmengen an großen Hagelkörnern. Häuser, Autos und Gärten wurden beschädigt - und ganze Anbaufelder zerstört.
Was und warum
Darum geht es: Ein Unwetter ist über Ostfriesland gezogen. Hagelschauer trafen aber besonders die Gemeinde Krummhörn hart - mit teilweise weitreichenden Folgen.
Vor allem interessant für: Menschen, die in der Krummhörn leben, die sich für Landwirtschaft und das Wetter interessieren.
Deshalb berichten wir: Von mehreren Seiten wurde uns berichtet, dass die Hagelschauer in der Krummhörn große Schäden verursacht haben. Wir wollten mit den Betroffenen selbst reden. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Um 18 Uhr am Freitag sei sie noch im Weizen gewesen und habe von der Ernte geträumt. „Daraufhin hat man ein Jahr hingearbeitet.“ Die Bestände seien besonders gut gewesen und die Preise derzeit hoch. Mit der guten Ernte wollte sie sich einen Puffer zulegen für schlechte Jahre. „Ich habe noch auf das Wetterradar geschaut und gedacht, es zieht vorbei“, sagt sie. Als sich das Unwetter jedoch stetig näherte, sei sie „immer stiller“ geworden. Innerhalb einer Stunde habe die „riesengroße“ Hagelschneise eine enorme Zerstörung angerichtet. Ältere Landwirte hätten ihr gegenüber gesagt, so etwas hätten sie noch nie erlebt. „Ich bin unwahrscheinlich niedergeschlagen“, sagt sie. Das einzig Gute: Sie ist versichert. Jährlich gebe sie gegenüber ihrer Versicherung an, mit welchem Ertrag sie zu welchem Preis rechne.
Kaputte Erdbeeren schnell ernten
Gemüsebauer Heiko Dreyer in der Nähe von Greetsiel sagt indes, dass bei ihm „nur ein bisschen“ Hagel angekommen sei. Andreas Busch, der den Gemüsehof Zenker in Leybuchtpolder direkt an der Grenze zur Krummhörn und in Dreyers Nachbarschaft bewirtschaftet, sagt, er sei ebenfalls noch gerade mit einem blauen Auge davon gekommen. Auf seinen Feldern wachsen hauptsächlich die als sehr empfindlich geltenden Erdbeeren. „Wir hatten großes Glück“, betont er.
Am Sonnabendmorgen seien er und Helfer sofort auf die Felder gegangen und hätten die vereinzelten Früchte geerntet, die „angeschlagen“ gewesen seien. „Das ist wichtig, weil diese sonst schnell faulen“, betont der Landwirt. Damit könnten andere intakte Früchte in Mitleidenschaft gezogen werden. Eine weitere gute Nachricht: „Die Sorten, die später reif werden und erst noch blühen, haben nicht viel abbekommen“, so Busch. Der Selbstpflücksaison, die erst jetzt gestartet ist, steht also nichts im Weg.
Campingplatz hat Glück gehabt
„Dafür, dass so viel los war, haben wir wirklich Glück gehabt“, sagt Alice Saathoff vom Campingplatz Dyksterhus in der Nähe des Campener Leuchtturms. Das Vorzelt eines Campers sei beschädigt worden. Aber Zelter hätten sich zu der Unwetterzeit nicht auf dem Platz befunden. In der Gemeinde seien vor allem Wohnmobilisten unterwegs, meint sie. Bei anderen Unwettern hätten sie sonst auch eine Hütte geöffnet, um Menschen, die im Zelt übernachten, Schutz zu bieten, erklärt sie. Auch beim Wohnmobilstellplatz in Greetsiel sind offenbar einige Fahrzeuge beschädigt worden. Insgesamt sei das Fischerdorf aber nicht so betroffen gewesen. Orstvorsteher Alfred Jacobsen sagte auf Nachfrage, dass ihm das zumindest noch niemand gemeldet hatte. „Aber das sind ja dann auch private Schäden“, räumt er ein.
Was zahlt jetzt die Versicherung?
An diesem Montag dürften die Telefone bei den Versicherern nicht stillstehen. Man sollte sich dort schnellstmöglich melden und die Schäden genau benennen können. Bei Hagelschaden am Auto greift die Kaskoversicherung, teilt das Unternehmen Allianz Direkt mit. „Die Teilkaskoversicherung zahlt den Hagelschaden, du musst nur die Selbstbeteiligung übernehmen“, heißt es. Ohne Kaskoversicherung müsste der Schaden auf eigene Kosten reparieren werden. „Die Reparaturkosten variieren dabei stark nach Größe und Anzahl der Dellen oder auch, ob die Scheibe repariert werden muss“, so der Versicherer. Um beim nächsten Mal vorzusorgen, rät die Allianz zu Hagelschutzmatten auf dem Auto, sollte es eine Unwetterwarnung geben.
Sind das Haus oder andere Gebäude wie das Carport oder Gewächshaus beschädigt, greifen eventuell mehrere Versicherungen. „Die Hausratversicherung übernimmt Hagelschäden an Einrichtung sowie Wertgegenständen, dazu zählen Möbelstücke, Verbrauchs- und Gebrauchsobjekte sowie auch Schäden, die an Markisen oder Antennen zustande gekommen sind“, heißt es von der Deutschen Schadenshilfe. Aber: Objekte, die sich im Freien befänden, seien in der Regel nicht in dem Versicherungsschutz inbegriffen, da sie einem höheren Risiko ausgesetzt seien. „In der Regel schützt eine gute Wohngebäudeversicherung vor finanziellen Konsequenzen von Hagelschäden an Gebäuden“, so die Schadenshilfe weiter. Grundsätzlich greife eine solche Police bei Schäden, die am Haus selbst entstanden seien – wie beispielsweise an Türen, Fenstern oder dem Dach, doch auch an Solaranlagen, Rollläden und Fassaden. Auch der Wintergarten ist eingeschlossen, womöglich aber nicht Nebengebäude wie Carports und Gewächshäuser. Sind diese mit versichert, „ist dies ausdrücklich in den Leistungen vermerkt“, erklärt die Schadenshilfe.