Frau am Freitag
Die neue Regel: Lass laufen!
Das will doch sicher niemand am Frühstückstisch lesen, dachte sich die Frau am Freitag, noch während sie diese Zeilen tippte.
Andererseits ist es das Normalste der Welt., jedenfalls für die Hälfte der Bevölkerung. Und für die andere Hälfte sollte es eben auch kein Tabuthema sein: die Menstruation.
Aus Pietätsgründen wird in Binden-Werbung seit jeher die Flüssigkeit als blaues Gel dargestellt, in Tampon-Reklamen hält frau den Stöpsel gerne mal in der Faust. Dabei wissen wir alle: Nein, es kommt nichts Blaues unten raus und ein Tampon gehört bei sachgemäßer Anwendung in eine andere Körperöffnung. Etwas moderner ist die Menstruations-Tasse. Wer schon einen Würgereiz bei dem Gedanken bekommt, dass man diese auch regelmäßig säubern muss, der sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen.
Es gibt mittlerweile Frauen, die ganz bewusst ihre Menstruation ausleben wollen, häufig auch um ein politisches Zeichen gegen das Stigma Periode zu setzen. Free bleeding heißt die Methode – also freies Bluten. Auf gut Deutsch: Lass laufen. Weder Tampons noch Binden oder Tassen stehen dabei zwischen dem weiblichen Blut und der Außenwelt.
Die Frau am Freitag findet das ziemlich unhygienisch und unpraktisch. Klar, keiner Frau sollte ihre Menstruation peinlich sein. Wir sollten uns nicht mehr heimlich Tampons zustecken, als würden wir mit Drogen dealen. Und es ist wichtig, dass jeder auch die Probleme kennt, die die Regel mit sich bringen kann. Welche Schmerzen manche Frauen während ihrer Periode haben und sich dennoch, vollgepumpt mit Ibuprofen, zur Arbeit schleppen, das weiß vermutlich kaum ein Kollege.
Aber Aufklärung ist mit einem rot leuchtenden Schritt nicht getan. Hilft es nicht viel mehr, Diskussionen darüber zu führen und offen darüber zu sprechen? Dass das klappen kann, zeigt die Entscheidung des Bundestages über einen ermäßigten Steuersatz auf Perioden-Produkte – Auslöser war eine Petition. Da wurden Frauen aktiv und die Politik hat zugehört. So kann es gehen: laut und mit weniger Blut in der Hose. Die Diskussionen sollten dennoch nicht verstummen. Es muss ein für alle Mal Schluss damit sein, dass Frauen sich für ihre Monatsblutung schämen. Bis dahin müssen wir wohl weiter – tapfer bleiben. Ute Nobel