Serie „Zwischen Acker und Weide“
Der eigene Käse als Kundenmagnet
Rund 90 Betriebe in Ostfriesland vermarkten ihre Produkte nicht nur über Zwischenhändler wie Molkereien oder Schlachthöfe, sondern auch direkt. Wir stellen drei Modelle vor.
Ostfriesland - Der größte Teil der landwirtschaftlichen Produktion wird auch in Ostfriesland immer noch auf konventionellen Wegen vermarktet und landet am Ende im Einzelhandel. Die Probleme, die sich daraus bisweilen für die Bauern ergeben, und ihre zeitweisen Konflikte mit dem Handel sind aus vielen Medienberichten der Vergangenheit bekannt. Doch es gibt auch andere Wege, die Lebensmittel vom Feld und der Weide an den Verbraucher zu bringen. Direktere Wege. Wie die aussehen, erklären wir heute anhand einiger Vermarktungssformen, die aktuell in Ostfriesland umgesetzt werden.
Hofläden
Schweineleasing
Glossar
Auflagen
Betriebe mit Direktvermarktung müssen höhere hygienische Anforderungen erfüllen als andere landwirtschaftliche Betriebe. Unter anderem wird die Milch häufiger kontrolliert. Da in der Regel Rohmilch direkt vermarktet wird, sollten Verbraucher sie vor dem Verzehr abkochen. Schwangeren Frauen wird vom Verzehr von Rohmilchkäse abgeraten.
Gewerberecht
Erlöse aus der Direktvermarktung gelten als landwirtschaftliche Einkünfte, so lange nicht mehr als zehn Prozent davon aus zugekauften oder weiterverarbeiteten Produkten kommen. Liegt der Anteil darüber, muss ein Gewerbe angemeldet werden. Dann werden auch Gewerbesteuern fällig.
Erste Verarbeitungsstufe
Werden die eigenen Produkte gereinigt, sortiert und für den Verkauf hergerichtet, durchlaufen sie die erste Verarbeitungsstufe, nach der sie gewerberechtlich weiterhin Urprodukte bleiben. Bei Fleisch umfasst die erste Verarbeitungsstufe das Schlachten und Zerlegen in Hälften, bei Rindern in Viertel. Zur Urproduktion zählen auch noch Milchprodukte mit mindestens 75 Prozent Milchanteil sowie eingelegtes Obst oder Gemüse und Säfte. Getreide darf gemahlen, geschrotet oder zu Flocken gepresst werden.
Zweite Verarbeitungsstufe
Die Grenze zum Gewerbe ist überschritten, wenn Fleisch zu bratfertigen Stücken, Schinken oder Wurst verarbeitet wird. Ebenfalls „gewerbepflichtig“ sind Kondensmilch und Speiseeis, Brote und Backwaren, Müsli, Liköre und Schnäpse, Nudeln, Konfitüren und Fertiggerichte,
„Wer ein Schwein leasen will, zahlt 150 Euro und unterzeichnet einen Vertrag. Dann gehört das Tier ihm und er kann es in allen Stationen der biologischen Fleischerzeugung begleiten“, erklärt Nadja Poppen. „Außerdem informieren wir ihn über alle Schritte von der Aufzucht bis zur Verarbeitung des Fleisches.“ Neben dem Kaufpreis zahlt der Käufer monatlich etwa 110 Euro für die Versorgung und Pflege des Tieres. Nach zehn bis 13 Monaten ist es schlachtreif. „Der Käufer bekommt dann etwa 100 Kilogramm Fleischprodukte“, so Poppen.
Solawis
Das Kurzwort Solawi steht für „Solidarische Landwirtschaft“. Die Idee dahinter: Eine Gruppe von Verbrauchern schließt sich mit einem oder mehreren landwirtschaftlichen Betrieben zu einer Gemeinschaft zusammen. Die Landwirte versorgen die Gemeinschaft mit Lebensmitteln. Umgekehrt stellen die Mitglieder den Landwirten Geld zur Verfügung, um ohne Verluste wirtschaften zu können. Finanziert wird in der Regel immer ein ganzes Wirtschaftsjahr, damit die Betriebe sicher planen können. Durch die gemeinschaftliche Finanzierung können vor allem kleinbäuerliche Betriebe mit arbeitsintensivem, vielfältigem Angebot gefördert werden.
So ein Betrieb ist auch der Gröönlandhof in Wrisse. Die beiden Landwirte Max Kühne und Thomas Schreier haben den Gemüsehof 2018 zusammen mit Sonia Filip gegründet, Im Frühjahr 2019 wurde die erste Ernte ausgeliefert. Derzeit hat die Verbrauchergemeinschaft 110 Mitglieder, die Filip Ernteteiler nennt. „Das Ziel ist, die Ernteteiler das ganze Jahr über mit Gemüse zu versorgen“, sagt sie. „Die Anteile sind so berechnet, dass sie für eine kleine Familie mit einem Kind reichen sollen. Es gibt aber auch ältere Ehepaare, die sich einen Anteil teilen.“ Der monatliche Beitrag der Ernteteiler beträgt um die 95 Euro. „Es gibt aber auch geheime Bieterrunden, in denen jeder zahlt, was er kann“, so Filip. „Auf diese Weise kann man auch Interessenten beteiligen, die sich einen Anteil sonst nicht leisten könnten. Auch das ist solidarisch an unserem Modell.“ Eine Verpflichtung zur Mitarbeit bei der Ernte gibt es nicht. „Aber viele Ernteteiler helfen von sich aus mit“, sagt Filip. „Gerade aufwändige Ernten wie bei dicken Bohnen oder Erbsen wären mit nur drei Vollzeitkräften gar nicht zu schaffen.“
Für das kommende Jahr haben die Landwirte einen weiteren Acker gepachtet, um mittelfristig bis zu 150 Ernteteiler versorgen zu können. „Wir wollen weiter wachsen, aber langsam“, sagt Filip.