Verkehr

Diskussion um Flaniermeile am Delft in Emden nimmt Fahrt auf

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 09.06.2021 17:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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In Emden wird seit längerem darüber diskutiert, die Straße Am Delft zu beruhigen. Der Oberbürgermeister will in Kürze Vorschläge machen, wie der Verkehr im Zentrum künftig geführt werden könnte.

Was und warum

Darum geht es: Die Emder Innenstadt steht vor tiefgreifenden Veränderungen.

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, die sich für die weitere Entwicklung ihrer Stadt interessieren, sowie Besucher der Stadt.

Deshalb berichten wir: Der Emder Oberbürgermeister hatte im Januar ein neues Verkehrskonzept für die Innenstadt angekündigt. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie der Stand der Dinge ist.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Emden - In aller Ruhe auf der Straße am Delft zwischen dem Otto-Huus und dem Hotel am Delft flanieren? Ginge es nach dem Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos), soll das in Zukunft möglich werden. Dieses Vorhaben ist einer der zentralen Punkte eines neuen Verkehrskonzeptes für die Innenstadt, das der Rathaus-Chef nach eigenen Angaben noch vor der Sommerpause vorlegen will. Voraussichtlich wird es radikale Veränderungen beinhalten.

Ursprünglich hatte Kruithoff das Konzept schon für das erste Halbjahr angekündigt. „Wir arbeiten aber nach wie vor daran und brauchen noch etwas länger“, sagte er dieser Zeitung. Inhaltlich gehe es darum, „welche Verkehrsmittel künftig im Stadtzentrum Priorität haben und welche Strategien wir verfolgen wollen“.

„Es ist nicht alles miteinander vereinbar“

Gegenwärtig sei es so, dass der öffentliche Nahverkehr und der Radverkehr gefördert werden sollen, man gleichzeitig aber mit dem eigenen auch am liebsten bis vor die Ladentür fahren wolle. Das alles sei aber nicht miteinander vereinbar, so der Oberbürgermeister.

Er richtet sein Augenmerk vor allem auf die Neutorstraße, den Rathausplatz und die Straße Am Delft, die zum Kern der Innenstadt zählen. Über die Verkehrsführung in diesem Bereich wird in Emden schon seit Jahren kontrovers diskutiert. Dafür gibt es viele unterschiedliche Vorschläge.

Es geht auch um die Neutorstraße

Befeuert hatte die Debatte zuletzt die halbseitige Sperrung der Neutorstraße, die wegen des Baus der Neutor-Arkaden auf dem ehemaligen Kaufhallen-Gelände notwendig geworden war. Seit etwa anderthalb Jahren können Autofahrer diese Hauptverkehrsachse im Abschnitt zwischen der Straße Agterum und Rathausplatz nur noch in Richtung Agterum befahren.

Die allermeisten Autofahrer haben sich daran gewöhnt. Größere Probleme sind nicht entstanden, obwohl der Verkehr auf dem äußeren Ring um die Innenstadt seither spürbar zugenommen hat. Betroffen sind unter anderem die Nordertorstraße und die Friedrich-Ebert-Straße. Proteste von Anliegern gab es aber bislang nur vereinzelt.

Kruithoff hält Probleme für lösbar

Die Anwohner dieser Straßenzüge würden ebenso wie beispielsweise die des Philosophenweges oder der Ringstraße es auch zu spüren bekommen, wenn die Straße Am Delft im Abschnitt zwischen Otto-Huus und Hotel am Delft zugunsten einer Flaniermeile komplett für den Autoverkehr dicht gemacht werden würde. Kruithoff, der schon 2019 in seinem Wahlprogramm solche Perspektiven eröffnet hatte, hält das aber für lösbar.

Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff will die Innenstadt umbauen. Foto: J. Doden/Archiv
Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff will die Innenstadt umbauen. Foto: J. Doden/Archiv
Für denkbar hält er auch sogenannte Shared Spacess. Das sind Zonen, die alle Verkehrsmittel und Fußgänger gleichwertig behandeln. So könnten Straßen in der Innenstadt zu einem neuen Bewegungsraum werden. Im Klartext heißt das: weniger Autos, mehr Platz für ÖPNV, Fahrrad und Fußgänger. Mehrere europäische Großstädte machen das schon vor.

Ein Puzzleteil für den Umbau der Innenstadt

„Wir müssen die Prioritäten anders setzen“, sagt auch der Emder Oberbürgermeister. Dabei gehe „es nicht darum, jemanden etwas wegzunehmen“. Vielmehr sollen im Gegenzug „Orte zum Wohlfühlen“ geschaffen werden, die den Verlust in einen Zugewinn oder Mehrwert verwandeln.

Die neue Verkehrsführung ist deshalb ein weiteres Puzzleteilchen für den Umbau der Emder Innenstadt zu einer „Erlebnisstadt“, an dem Kruithoff gemeinsam mit der City-Koordinatorin Martje Merten seit längerem arbeitet. Auch die jüngst vorgelegten Vorschläge für ein Parkraumkonzept mit perspektivisch vier neuen Parkhäusern an den Eingängen des Stadtzentrums ist ein wichtiger Baustein dafür. Rückenwind für den Vorschlag einer weitgehend beruhigten Zone zwischen dem Stadtgarten und der Ringstraße kommt aus der Emder Gastronomie. Einige Branchenvertreter haben sich jüngst öffentlich für diese auch „Hafenmeile“ genannte Achse ausgesprochen.

Eine Schlüsselfunktion misst Innenstadt-Koordinatorin Merten dem Einzug der Kaffeerösterei Baum in die ehemalige Haifischbar am Schweckendiecksplatz bei. Das Unternehmen aus Leer will dort in diesem Sommer ein modernes Café mit einer Außenterrasse eröffnen. Laut Merten und Kruithoff wird das die Attraktivität und Anziehungskraft dieses Standortes deutlich steigern.

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