Gesundheit

Wie belastet ist die Luft aus Delfzijl?

Gordon Päschel und Michael Hillebrand
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Von Gordon Päschel und Michael Hillebrand
| 04.06.2021 16:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Die Industrieanlagen auf niederländischer Emsseite lösen im benachbarten Ostfriesland Ängste und Sorgen aus. Wie groß ist die Gefahr durch potenziell krebsauslösende Fasern? Und wie wird kontrolliert?

Was und warum

Darum geht es: Die Belastung nahe der Ems mit möglicherweise krebserregenden Schadstoffen in der Luft.

Vor allem interessant für: Leute, die sich Gedanken wegen des Ausstoßes von Industrieanlagen machen, und die in wenigen Kilometern Entfernung von Delfzijl und Eemshaven leben.

Deshalb berichten wir: Die Stadt Emden hat kurz vor Ablauf einer Frist in dieser Woche eine Stellungnahme zum Genehmigungsverfahren für das Chemiewerk ESD-SiC in Delfzijl eingereicht. Wir haben darüber berichtet und zusätzliche Fragen ans Landesumweltministerium gestellt.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Krummhörn/Emden - Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es wieder passiert: Regelmäßig kommt es in der Chemiefabrik von ESD-SiC in Delfzijl zu unkontrollierten Explosionen. Laut einer Aufstellung des öffentlich-rechtlichen regionalen Rundfunkkanals RTV Noord wurden für das Jahr 2019 alleine 51 dieser „Blazer“ genannten Ausbrüche registriert. Bei jedem sollen potenziell krebserregende Fasern in die Luft geschleudert werden.

Die Vorstellung löst auf der anderen Emsseite, im wenige Kilometer entfernten Ostfriesland, Verunsicherung aus. Verstärkt wird die Unruhe dadurch, dass die Luft nach den Explosion in Emden und der Krummhörn zwar seltsam riecht, die Feuerwehr mit ihren Messinstrumenten aber nicht der Lage ist, möglicherweise gefährliche Schadstoffe nachzuweisen.

Erhöhtes Krebsrisiko?

Ist das Risiko, in der Krummhörn oder in Emden an Krebs zu erkranken, erhöht? Zumindest für die Gemeinde Krummhörn liegen dem Gesundheitsamt Aurich solche Erkenntnisse nicht vor. Das teilt das Niedersächsische Umweltministerium auf Anfrage der Redaktion mit. Es gebe „keinerlei Hinweise für einen plausiblen Anfangsverdacht auf erhöhte Krebsraten“, heißt es in dem Antwortschreiben. Das hätten Prüfungen ergeben, die 2014 und 2017 nach Meldungen von besorgten Bürgern erfolgt seien.

Für die Überwachung der Luftreinheit an der niedersächsisch-niederländischen Grenze greift das Land nach Angaben des Ministeriums auf zwei Messstationen zurück. Sie befinden sich im emsländischen Lingen und in Emden. Die Station ist zentral an der Straße Am Eisenbahndock abgebracht. Gemessen werden dort Stickstoffoxide, Stickstoffdioxid, PM10-Feinstaub, Ozon, Ammoniak, Benzol und Staubniederschlag - inklusive Blei, Cadmium, Arsen und Nickel, wie es heißt. Erfahrungen zum Nachweis von Siliziumkarbid-Fasern, die in Delfzijl freigesetzt werden, gebe es nicht.

Es ist deswegen fraglich, ob die bisherige Messtechnik und die Standort für Untersuchungen überhaupt ausreichen. Um Klarheit zu schaffen, müssten „Messpunkte möglichst nah in Richtung der vermuteten Emissionsquelle“ installiert werden, räumt das Umweltministerium ein - vor allem dort, „wo Menschen sich längere Zeit aufhalten (wohnen)“. Von der Stadtmitte nach Delfzijl beträgt die Entfernung 18 Kilometer. In küstennäheren Stadtteilen wie Wybelsum und Teilen der Krummhörn sind es deutlich weniger als zehn Kilometer.

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