Leichtathletik
Ostfriese mit Corona-Muskeln ist Deutschlands Nummer 1
Auf einem Privatgelände in Kirchdorf glückte dem 14-jährigen Georgsheiler Werfer William Wolzenburg der Sprung in die nationale Elite. Mit Diskus und Kugel schaffte er sensationelle Weiten.
Kirchdorf/Aurich - Auf einer ungewöhnlichen Sportstätte vollbrachte ein 14-jähriger Leichtathlet am Sonntag eine ungeheure Leistung. Auf dem privaten Werferplatz von Eberhard Willms (MTV Aurich) in Kirchdorf katapultierte sich William Wolzenburg mit dem Diskus und der Kugel in die nationale Spitzenklasse. Die Diskusscheibe wuchtete der Modellathlet auf 53,40 Meter. So weit hat die Scheibe in diesem Jahr noch kein anderer Athlet aus ganz Deutschland der Altersklasse U16 geschleudert.
Im Kugelstoßen ließ der Schüler überragende 16,06 Meter folgen und ist damit die Nummer zwei in Deutschland. „Das waren phänomenale Leistungen – bewundernswert“, urteilte Stephan Janssen vom Ausrichterteam des MTV Aurich. „William hat das Potenzial, in Deutschland ganz weit nach vorne zu kommen.“
Sechs Meter weiter als 2020
Und natürlich schwärmte auch Wolzenburgs Trainer Michael Mücher: „Solch ein großes Talent hat man ganz selten“, sagt er. „Sicherlich werden andere noch aufholen, aber mit diesen Leistungen hat er ein deutliches Wort gesprochen.“ Der Modellathlet hat innerhalb eines Jahres einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Das zeigt ein Vergleich mit 2020. Da gewann er im Januar in der Halle den Landestitel im Kugelstoßen mit 10,80 Metern – jetzt waren es 16,06. Seitdem ist er mächtig gewachsen und hat in der Coronazeit mit Krafttraining enorm an Muskeln zugelegt. Das zeigte er am Sonntag.
Stephan Janssen und seine Mitstreiter vom MTV Aurich haben es möglich gemacht, dass Kader-Athleten aus der Region auch in der Corona-Zeit ihre Leistungsfähigkeit demonstrieren können. „Stephan hat das super organisiert“, lobte Michael Mücher. „Die Kids brauchen dringend Wettkämpfe. Nach so viel Training müssen sie auch mal die Sau rauslassen.“
Diskus landete fast am Zaun
16 Kaderathleten nutzten am Sonntag die Chance zum Start bei dem vom Gesundheitsamt genehmigten Wettkampf. Vormittags waren die Werfer in Kirchdorf an der Reihe. Ab Mittag ging es mit den Läufen und dem Hochsprung auf dem Auricher Ellernfeld weiter.
Während William Wolzenburg die Länge des Privatplatzes vollumfänglich ausnutzte und laut Janssen mit dem Diskus dem Begrenzungszaun „bedenklich nahe kam“, ließen sich auch andere nicht lumpen. Heike Schwitters (W15) von Fortuna Wirdum schaffte mit 39,85 Metern die Norm für die Deutschen U16-Meisterschaften. Ihrer Vereinskameradin Amke Dirks (2003) fehlten in der Klasse U20 diesmal noch 75 Zentimeter zur DM-Norm von 42 Metern.
Auch Wirdumer und Auricher glänzten
Der Wirdumer Enno Dirks (M15) schob sich mit 45,83 Metern unter die Top Sechs in Deutschland. Max Reinhardt (MTV Aurich) schaffte mit 36,43 Metern die Qualifikation für die Landesmeisterschaften. Das glückte auch dem Georgsheiler U20-Athlet Eike Bergmann mit seinem Diskuswurf auf 36,06 Meter und auch mit der Kugel (12,95).
Auf dem Ellernfeld bewies dann William Wolzenburg seine Vielseitigkeit und siegte auch noch über 100 Meter in hervorragenden 12,0 Sekunden. „William ist sehr schnellkräftig“, nennt Trainer Mücher das große Plus seines Schützlings. „Das wurde ihm einfach in die Wiege gelegt.“
Uplengener Hochsprungsieg
Platz zwei über 100 Meter erreichte der Wirdumer U18-Athlet Thilo Schüler (12,06) vor dem Auricher U18-Mann Coord Göken (12,2). Herausragend in diesem Lauf war die Leistung des Aurichers Mads Regner (M15), der in 12,24 Sekunden in die Top Ten in Niedersachsen sprintete. Auch der ein Jahr jüngere Vereinskollege Lasse Struckmeyer (12,85) glänzte und packte die Norm für die Landesmeisterschaften.
Auch zwei Athletinnen aus dem Kreis Leer starteten in Aurich. Den Hochsprung gewann das U18-Talent Loreen Garmers (2005) von der LG Uplengen mit 1,49 Meter. Hochspringerin Amelie Schwabe (Germania Leer) startete wegen Knöchelbeschwerden im Sprint und lief in 13,61 Sekunden über 100 Meter eine starke Zeit.