Unfall
Schwerverletzter wird von Enercon-Anlage gerettet
Ist in einer Enercon-Anlage der Blitz eingeschlagen? Oder gibt es einen anderen Grund für die schweren Verletzungen eines Monteurs? Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat die Ermittlungen aufgenommen.
Hückeswagen/Aurich - Am Ostermontag musste ein schwer verletzter Monteur von einer Enercon-Windkraftanlage in Hückeswagen in Nordrhein-Westfalen gerettet werden. Die Polizei, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und der Auricher Hersteller bestätigen, dass es während eines Service-Einsatzes zu einem schweren Unfall gekommen war. Auch ein weiterer Monteur war zur Unfallzeit auf der rund 100 Meter hohen Anlage des Typs E-82 tätig. Dieser kam mit einem Schock davon – im Gegensatz zu seinem 31 Jahre alten Kollegen: „Der Mitarbeiter erlitt bei dem Vorfall aus noch ungeklärter Ursache eine Körperdurchströmung“, schreibt Enercon-Sprecher Felix Rehwald. Damit meint er einen heftigen Stromschlag.
„Der unverletzte Monteur hat gegen 17.20 Uhr einen Notruf abgesetzt“, sagt Johannes Ufer, Pressesprecher des DRK-Kreisverbandes Oberbergischer Kreis. Vor Ort hätten zunächst Feuerwehrleute die Tür der Anlage „gewaltsam geöffnet“, ehe Mitarbeiter des kommunalen Rettungsdienstes und ein Notarzt per Gondel zu dem Schwerverletzten hätten nach oben fahren können. „In der Kanzel fand die medizinische Erstversorgung statt“, so der Sprecher. Zusätzlich seien die Höhenretter des DRK sowie der Kölner Berufsfeuerwehr alarmiert worden. „Es wurden mehrere Möglichkeiten der Rettung in Erwägung gezogen“, sagt Ufer – zum Beispiel, den Mann per Winde oben aus der Kanzel heraus in einen Bundeswehrhubschrauber zu ziehen.
Monteure wurden noch nicht befragt
„Aufgrund der schwierigen Bedingungen vor Ort wurde das allerdings wieder verworfen“, erklärt er. Es habe heftige Windböen gegeben, außerdem habe einsetzender Schneefall die Rettungsarbeiten erschwert. Durch die ungeschützte Lage auf einer Bergkuppe sei der Einsatzort dem Wetter so gut wie ausgeliefert gewesen. Daher habe man sich entschieden, den 31-Jährigen durch eine Bodenluke der Kanzel abzuseilen. Die Kölner Feuerwehrleute hätten die Arbeit in der Kanzel übernommen, das DRK sei vom Boden aus beteiligt gewesen. Anschließend wurde der schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzte Mann per Bundeswehrhubschrauber in eine Spezialklinik in Bochum gebracht. Die Rettung hatte gut vier Stunden gedauert.
Aber was hatte zu diesem schweren Unglück geführt? „Die Ermittlungen dauern an“, sagt ein Sprecher der Polizei Oberbergischer Kreis. Die Beamten hätten noch keine Gelegenheit gehabt, mit einem der beiden Monteure zu sprechen. Ermittlungsergebnisse würden erst in ein paar Wochen erwartet. Eingebunden seien auch die Arbeitsschutzbehörden in Köln, weil Verstöße in diese Richtung nicht ausgeschlossen werden könnten. Enercon teilt mit, dass die Anlage abgeschaltet und gesichert gewesen sei, als die Mitarbeiter des Enercon-Services bei der Fehlersuche in der Anlage waren. Der Grund des Einsatzes war laut Pressesprecher Rehwald eine Fehlermeldung gewesen, die zum Stillstand der Anlage geführt hatte.
Beim Fernsehsender „RTL West“ hatte ein örtlicher Feuerwehrfunktionär als Ursache für die schweren Verletzungen des Enercon-Technikers die Möglichkeit eines Blitzeinschlags während eines kurzen Gewitters ins Spiel gebracht. „Auch das können wir nicht ausschließen“, sagt der Polizeisprecher. Sollten Zeugen entsprechende Aussagen zu Protokoll geben, werde man diese beispielsweise mit Wetterdaten von Experten einer Plausibilitätsprüfung unterziehen. Öffentlich einsehbare Aufzeichnungen der Blitzdaten des „BLIDS“-Systems von Siemens zeigen für den Ostermontag allerdings keine Einschläge in der Nähe von Hückeswagen. Diese automatischen Aufzeichnungen ersetzen aber kein Gutachten eines Wetter-Sachverständigen.